Geschichte des Übersetzens

Die Menschen hatten immer das Bestreben, kulturelle Grenzen zu überwinden und mit den Angehörigen anderer Sprachräume zu kommunizieren. Man kann also sagen, dass transkulturelle Kommunikation so alt wie die Menschheit ist. Seit der Mensch die Schrift entwickelt hat, wird übersetzt (z. B. zweisprachige Inschriften). In der Antike waren es vor allem die römischen Übersetzungen aus dem Griechischen und die frühen christlichen Übersetzungen. Cicero stellt so etwas wie eine erste Übersetzungstheorie auf, indem er erklärt, wie er bei der Übersetzung der Reden griechischer Redner vorgegangen ist.

Im spanischen Sprachraum wurden im 9. Jh. im islamischen Süden Spaniens Übersetzungen aus dem Griechischen ins Arabische angefertigt. Im 12. Jh. entstand die „Übersetzerschule von Toledo“, in der eine Vielzahl arabischer Texte aus den unterschiedlichsten Disziplinen (Astronomie, Medizin, Mathematik usw.) ins  Lateinische und andere Sprachen übersetzt wurden. In Toledo, das bereits seit 1085 wieder unter christliche Herrschaft fiel, konnte sich trotzdem die arabische und jüdische Struktur erhalten. Es lebten dort Muslime, Juden und Christen friedlich zusammen. Das Projekt der Übersetzerschule bestand darin, die  bedeutendsten Werke der Klassik zu übersetzen. Es wurden Werke griechischer Philosophen, die teilweise nur mehr in ihrer arabischen Übersetzung vorhanden waren, ins Lateinische übersetzt. Andererseits wurden Werke bedeutender arabischer und jüdischer Philosophen übersetzt.

Noch bevor Texte in schriftlicher Form übersetzt wurden, kamen Dolmetscher zum Einsatz. Das Dolmetschen wurde bereits im Alten Testament erwähnt (Josef
und seine Brüder) und Dolmetscher wurden im alten Ägypten bei Kriegen und Verhandlungen eingesetzt. Auch im alten Rom waren Dolmetscher unverzichtbar:
„Für den Staat waren Dolmetscher bei offiziellen Kontakten mit ausländischen Vertreten wichtig – zum einen aus praktischen Gründen, zum
anderen aber auch, weil die Römer das Griechische und die Barbarensprachen aus Prestigegründen nicht verwendeten. So wurde auch dort, wo wegen der
Kenntnis der Fremdsprache ein Dolmetscher eigentlich überflüssig gewesen wäre, mitunter ein solcher eingeschaltet, um auf diese Weise die Distanz zu
den Barbaren zu vergrößern und das eigene Prestige zu erhöhen.“

(aus: Ingrid Kurz „Dolmetschen im alten Rom„)